Holz als zukünftiger Baustoff für eine nachhaltige Immobilienwirtschaft

Traum oder machbar?

Holz als zukünftiger Baustoff für eine nachhaltige Immobilienwirtschaft
Geschrieben von
Leander Gabriel
Schulz
Veröffentlicht am
January 10, 2023

Der Baustoff Holz bringt entscheidende Vorteile mit sich: ein behagliches Wohnen und Arbeiten, eine Fehlerreduktion auf der Baustelle durch serielle Vorfertigung, sowie Ökologie in puncto CO₂-Einsparung und Nachhaltigkeit. Obendrein ist der Holzbau eine Bauweise auf Zirkularität abgestellt und adressiert dabei zwei substanzielle Prüfkriterien der Taxonomie-Verordnung (die grauen Emissionen und die Kreislaufwirtschaft). Deutschland ist zudem der größte Holzproduzent Europas. Dennoch kommt dieser Baustoff noch sehr wenig beim Bau zum Einsatz.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Neben den erhöhten Materialkosten, langen und bürokratischen Genehmigungsverfahren, einem erforderlichen Umdenken in der Wertschöpfungskette und der integralen Planung, sind unterschiedliche Interessen der Planungsparteien im Bereich Brandschutz und die Kleinteiligkeit des Marktes in verschiedenen Akteuren unter anderem beeinflussende Faktoren. Mit all diesen Herausforderungen sehen sich die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Bereich des Holzbaus konfrontiert. Weniger als 1 % der Holzbauer haben mehr als 50 Mitarbeiter. Den vielen kleinen Unternehmen fehlt es daher oft an Hightech-Wissen und entsprechendem Kapital, um echte Veränderungen in Gang zu setzen. Befragte Experten erwarten daher auch in Zukunft eine zunehmende Konsolidierung im Markt. Außerdem könnten Bauunternehmen verstärkt kleine Holzbauunternehmen aufkaufen.

Komplexität der Planung & Vorfertigung

Besonders der Bereich der integralen Planung und Vorfertigung im Holzbau ist sehr komplex. Die Planungsphasen sind deutlich anders als bei klassischen Bauten. Verschiedene Parteien (z.B. Brandschützer, Feuerwehr, Bauaufsicht) sind bei Holzbauten beteiligt und müssen koordiniert werden. Zudem gibt es verschiedene Lizenzen für einzelne Holzbausysteme. Jeder Holzbauer hat sein eigenes System und seine eigene Vorgehensweise, um Holzbauten umzusetzen. Was dennoch hierzulande mit dem nachwachsenden Baustoff möglich ist, zeigt eindrucksvoll das noch in diesem Jahr zur Fertigstellung geplante Holzhochhaus ROOTS in Hamburg. Das 65 Meter hohe und mit 128 Eigentumswohnungen bestückte Gebäude setzt Maßstäbe und beeindruckt.

Der Kreislauf des Holzbaus

Der Baustoff Holz ist Kreislauf pur. Das schädliche CO₂ aus der Umwelt wird im Holz über viele Jahre gebunden. Zudem sind die Holzabfälle nach der Bauphase biologisch abbaubar. Da bei einem Holzbau die Wärme im Gebäude gehalten wird, werden die in Zeiten der Energiekosten gestiegenen Heizkosten gemindert. Ergänzend ist durch die hohe Vorfertigungsmöglichkeit eines Holzbaus eine schnelle Umsetzung des Baus möglich. Die vielen Fachwerkhäuser in den Altstädten Deutschlands zeigen, dass Holzbauten sehr langlebig sind. Zudem können Sanierungen, Reparaturen und bauliche Änderungen während des Lebenszyklus schnell und punktuell durchgeführt werden.

Durch die genannten Vorteile des Baustoffes im Sinne von Kosten, Flexibilität und Nachhaltigkeit blicken immer mehr Immobilienunternehmen auf das Thema Holzbau. Gerade die Taxonomie-Verordnung wird den Holzbau bei vielen kapitalmarkt-nahen Unternehmen in Zukunft auf die Agenda gerufen, da Investitionen zunehmend auf die ESG-Kriterien auszurichten sind. Der Druck auf die Immobilienbranche steigt nicht zuletzt, da mittlerweile für 43 % der Investoren ESG-Kriterien relevant sind.

Trotz Umdenken mangelnde Kompetenz

Es findet also ein Umdenken statt und gleichzeitig fehlt es jedoch häufig auf unterschiedlichen Ebenen an Kompetenz. Zum einen fehlt es an geeigneten Bauingenieuren und Planungsbüros, die auf den Holzbau spezialisiert sind. Aufholbedarf gibt es außerdem beim Thema Holzbaukompetenz im Bereich der Ausbildung. Zu wenige Studiengänge und Lehrpersonal sind auf Holz spezialisiert. Start-ups mit dem Fokus auf nachhaltiges Bauen und zukunftsfähige Bauweisen erleben derzeit einen großen Hype. Jedoch gibt es bisher im Bereich Holzbau nur sehr wenige Player. Einer davon ist das in Stuttgart ansässige Unternehmen TRIQBRIQ. Das Unternehmen hat vor kurzem eine Million Euro in einer Series-A Runde bei einem Hamburger Family-Office eingesammelt und vor kurzem sein Stammwerk in Tübingen feierlich eröffnet. Auch das in Luxemburg ansässige Bau-Start-up Leko will den Holzbau mit seinem Brettsperrholz-Bausystem revolutionieren. Durch das sogenannte Upcycling, eine Wiederverwertung von Brettsperrholz, möchte das Unternehmen ein Zeichen im Bereich nachhaltiges und zirkuläres Bauen setzen. Perspektivisch werden sich weitere GreenTechs / ConTechs dem Thema Holzbau aufgrund steigender Relevanz annehmen. Darüber hinaus gibt es immer mehr VC-Fonds, die sich rein auf CO₂-Reduktion und Nachhaltigkeit spezialisiert haben. Stichwort: Impact-VCs & Climate Tech. Beispiele hierfür sind der (Berlin) oder Übermorgen Ventures (Zürich).

Aufgrund der hohen CO₂-Emissionen in der Branche, haben Bausystemersteller und Bauherstellende eine gigantische Verantwortung, Materialinnovationen und Angebote zu liefern, welche diese Probleme lösen können. Auf Holzbau spezialisierte Architekten betonen die Notwendigkeit, dass Projekte von Anfang an holzbautechnisch so entwickelt sein müssen, dass sie im Holzbau gut umgesetzt werden können. Ein Massivgebäude könne nicht eins zu eins in Holz umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich zudem die Frage, wann ein Holzbau wirklich als einer bezeichnet werden kann.

Ist ein Betonkern verkleidet mit einer Hülle aus Holz wirklich ein Holzbau?

Ungünstige Rahmenbedingungen für den Holzbau ergeben sich bisher auch im Bereich der Gesetzeslage. Hauptpunkte sind hierbei die unterschiedlichen Landesbauordnungen und Holzbaurichtlinien in Deutschland. So lassen beispielsweise lediglich fünf Landesbauordnungen das Bauen mit Holz über die Hochhausgrenze zu. Immer wieder ergeben sich Herausforderungen durch die hohen Brandschutzvorgaben. Auch die unterschiedlichen Parteien, die bei Holzbauprojekten beteiligt sind, wie Brandschützer, Feuerwehr und Bauaufsicht sorgen häufig für langwierige Genehmigungsprozesse.

Die Forderung der Marktteilnehmer nach Entbürokratisierung, Klarheit, schlankeren und praxisnäheren Vorgaben ist groß. Gerade den vielen kleinen Unternehmen in der Branche fällt es schwer, Lizenzen zu erlangen.

Start-ups, die nachhaltige Materialien und Innovationen entwickeln, welche nachweislich kreislauffähig sind, haben lange Zulassungsprozesse und brauchen in dieser Überbrückungszeit eigentlich Unterstützung. Die genannten Punkte zeigen, dass der Holzbauer eine gigantische Verantwortung im Sinne einer nachhaltigen und zirkulären Immobilie in der Branche haben. Diese sind allerdings stark durch die kleinteilige Struktur, Herausforderungen im Planungsbereich, den Fachkräftemangel und aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen eingeschränkt. Die Vorteile des nachwachsenden Baustoffs sind immens, jedoch ist ein Umdenken der Immobilienunternehmen und seitens der Politik nötig. Dabei ist auch die Einbindung und Förderung von jungen innovativen Unternehmen ratsam, um in den kommenden Jahren einen wachsenden und skalierbaren Holzbaumarkt zu ermöglichen.

Über
Leander Gabriel
Schulz

Der Master Immobilienmanagement brennt für die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Nach Stationen im Asset- und Corporate Real Estate Management arbeitete er bei der führenden Kommunikationsberatung in der Immobilienbranche namens Feldhoff & Cie. Bei seiner jetzigen Tätigkeit als Research Analyst bei blackprint unterstützt er etablierte Unternehmen bei der Suche nach digitalen Lösungen in der Bau- und Immobilienbranche erfolgreich. Durch ausgeprägtes analytisches Know-How und technischen Fähigkeiten erarbeitet er laufend die Datengrundlage für Studien und Reports. Leidenschaftlich setzt er sich für das Thema ESG in der Immobilienbranche ein. Daher forschte er bereits zum Thema digitale Methoden zur Messung von Nachhaltigkeit und die Spielarten des Themas ESG für institutionelle Investoren in der Immobilienwirtschaft. Diese Erkenntnisse bringt er bei dem Konsortium zur DIN SPEC „ESG Datenstandard für die ökologische Analyse von Immobilien“ ein.

Über
blackprintpartners GmbH

blackprint wurde 2016 von der Feldhoff Gruppe gemeinsam mit weiteren Unternehmern mit dem Ziel gegründet, die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft voranzutreiben und zu gestalten. Heute verstehen wir uns als Beratungsunternehmen für Digitalisierungsstrategien, als Netzwerk- und Knowledge-Plattform. Wir widmen uns der Vernetzung der Akteure in unserer Branche bei visionären Events, begleiten PropTechs bei ihrem Wachstum und vermitteln Wissen rund um die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft. Mit Leidenschaft streben wir nach einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Bau- und Immobilienbranche.

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