PropTechs für den Wiederaufbau: Wie digitale Tools die Kommunen im Ahrtal nach dem Hochwasser unterstützen.

PropTechs für den Wiederaufbau: Wie digitale Tools die Kommunen im Ahrtal nach dem Hochwasser unterstützen.
Geschrieben von
Felix
Kamprath
Veröffentlicht am
November 2, 2022

2021: Die Flutkatastrophe an der Ahr

Mitten im Juli 2021 verursachte das Sturmtief „Bernd“ eine der schlimmsten Hochwasserkatastrophen in Deutschland. Über 100 Menschen starben, über 65.000 waren vom Sturm unmittelbar betroffen. Die Schäden in Deutschland, Belgien, Luxemburg und der Schweiz gehen in die Milliarden.

Ahrtal Hochwasser: Die schwerbeschädigte Nepomukbrücke in Rech in 2022 (Foto: Julius Berger International)

Schwerpunkt der Naturkatastrophe: das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Entlang des Flusses leben rund 56.000 Menschen. Zwei Kommunen traf das Hochwasser besonders schwer: Die Verbandsgemeinde Altenahr mit 12 Ortsgemeinden, in denen auf einer Fläche von 154 km² circa 11.000 Menschen lebten. Und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler mit ihren dazugehörigen Ortsbezirken, in denen circa 27.500 Menschen zu Hause waren.

Eine Katastrophe, nach der alle Beteiligten vor gewaltigen Herausforderungen für den Wiederaufbau standen. Hier kam Julius Berger International (JBI) mit der eigenen Expertise und innovativen Tools ausgewählter PropTechs ins Spiel.

PropTechs erleichtern mit digitalen Tools den Wiederaufbauprozess

Julius Berger International konnte für die Unterstützung der vom Hochwasser betroffenen Kommunen auf eine eigene Datenbank mit über 500 PropTechs zugreifen. Hier fanden sich die richtigen digitalen Tools, die für das Wiederaufbauprojekt echte Mehrwerte schufen und die JBI-Mitarbeitenden optimal unterstützten.

Am Anfang hatten die Kommunen ein großes Problem: Das Wissen über die Flutschäden verteilte sich auf verschiedene Fachbereiche und war nicht zentral verfügbar. Die Verantwortlichen standen vor einem unübersichtlichen und scheinbar nicht zu bewältigenden Berg an Aufgaben. Es galt zu vermeiden, den Fokus vor allem auf die besonders präsenten Aufgaben zu legen. Denn die wirklich wichtigen Themen waren weniger sichtbar, mussten aber zuerst bearbeitet werden.

Julius Berger International half als erstes, einen Schritt zurückzutreten, um das Ausmaß der anstehenden Maßnahmen zu evaluieren. Das Team baute eine eigene Datenbank aller verfügbarer Informationen auf. Gleichzeit begann die Auswahl bestehender Lösungen von PropTechs aus der eigenen Startup-Datenbank. Denn: Schnelligkeit war für das Wiederaufbauprojekt entscheidend. Es gab keinen zeitlichen Spielraum für lange Entwicklungszeiten neuer digitaler Lösungen.

Die auf diese Weise implementierten smarten Tools erlaubten allen Beteiligten, innerhalb kürzester Zeit die gesammelten Daten individuell auszuwerten. Kartendarstellungen, Zustandsklassifizierungen, Prioritäten, Kategorisierungen und viele weiteren Auswertungsmöglichkeiten halfen, eine optimale Übersicht zu gewährleisten

Diese jederzeit zugänglichen Informationen ermöglichten, Termine mit Ortsbeiräten, Bürgerversammlungen, Ausschüssen und alle anderen notwendigen Gremiensitzungen schnell und unkompliziert zu organisieren.

Die hohe Qualität und Aussagekraft der Daten half Julius Berger International außerdem, den Verantwortlichen und Bürgern klar zu vermitteln, welche Aufgaben in den Jahren nach dem Ahrtal-Hochwasser auf die Kommunen zukommen würden.

Detaillierte Darstellung von Daten zu Status und Kosten der erforderlichen Maßnahmen nach dem Ahrtal-Hochwasser

Vorgaben erfüllen, Förderungen ermöglichen

Ein weiteres Problem bestand darin, dass die im Ahrtal ansässigen Ingenieur- und Architekturbüros ihre Aufgaben im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau nach dem Ahrtal-Hochwasser nicht zeitnah abarbeiten konnten – auf eine solche Größenordnung konnte niemand vorbereitet sein. Daraus entstand für die Verwaltungen der beiden Kommunen ein neues Problem: Die Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz passten nicht zu den derzeitigen lokalen Gegebenheiten.  

Hier konnte Julius Berger wieder mit Hilfe einer PropTech-Lösung kostengünstig und schnell qualitativ hochwertige Schadensbeurteilungen erstellen. Das digitale Tool versetzte die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler in die Lage, eine Schadensbewertung als ersten Schritt für die Beantragung von Fördermitteln zu gewährleisten.

PropTechs als Chance für etablierte Unternehmen

In der Bau- und Immobilienbranche sind innovative Lösungen oftmals nicht mehr mit internen Ressourcen zu stemmen. Die digitale Transformation ist in vollem Gange und neue Geschäftsmodelle rütteln den Markt wach.

Etablierte Unternehmen können mit der Kreativität und Schnelligkeit von PropTechs nicht mithalten. Die extreme Kundenfokussierung der neuen Unternehmen schafft Lösungen für Kundenprobleme, welche etablierte Unternehmen teilweise nicht einmal erkannt haben.

Oft sind die früheren Abteilungen „Forschung und Entwicklung“ Geschichte und nicht jedes Unternehmen verfügt über ein zielführendes Innovationsmanagement, das Ideen von Mitarbeitenden aufgreifen und realisieren kann. Hinzu kommt, dass der starke Wettbewerb viele Firmen zu sehr vorsichtigem Wirtschaften gezwungen hat. Erst der gefühlte Boom der letzten Jahre weckte wieder das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Innovationen.

Gepaart mit dem anhaltenden Personalmangel braucht es als Folge vor allem im Mittelstand Innovationsimpulse von außen. Oder anders gesagt: Die großen Schiffe brauchen Schnellboote, die sie nach vorne bringen!

Partnerschaften aus Industrie und Startups bringen beide Welten voran: Etablierte Unternehmen erhalten neue Impulse, Startups den Zutritt zum Markt. In dieser Beziehung liegt ein riesiges Potenzial für alle Stakeholder.

Für die gesamte Baubranche gilt: Nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft lösen. Denn es geht nicht nur um neue gesetzliche Rahmenbedingungen für die ökologischen Bereiche von Bauwerken. Die schiere Anzahl an Bauprojekten, die in der nahen Zukunft anstehen, ist mit den bestehenden Kapazitäten, Kompetenzen und Methoden nicht zu bewältigen.  

Aber wie können Ingenieur- und Architekturbüros am besten in die Zusammenarbeit mit den richtigen PropTechs starten?

Eine Datenbank mit über 500 PropTechs als Innovationsturbo

Julius Berger International hat über 500 PropTechs ausgewertet und die Ergebnisse in einer eigenen Datenbank gesammelt. Ein Pool, mit dem das JBI-Team aktiv Mehrwerte für Kund:innen generieren kann, die aus dem Tagesgeschäft heraus nicht möglich wären. Die Unterstützung der Wiederaufbauprojekte nach dem Ahrtal-Hochwasser ist hierbei nur eines von vielen Beispielen aus der Praxis.

Über das hausinterne Tech-Scouting hinaus organisiert Julius Berger International Startup-Veranstaltungen, nutzt Business-Angel-Netzwerke und baut Startup-Partnerschaften auf, um bei Kund:innen gemeinsam aufzutreten.

Dazu gehört, die PropTechs auch ohne eigene Projektbeteiligung bei Kund:innen und Partner:innen vorzustellen. Es gibt so viele Aufgaben für die Bau- und Immobilienbranche, dass solche netzwerkökonomischen Ansätze zum Erfolg führen werden.

Dieser Ansatz kann für ein Unternehmen wie Julius Berger International nicht jedoch der Kern der digitalen Transformation sein. Diese kann nur von den eigenen Mitarbeitenden gestaltet werden. Aber: Die Zusammenarbeit mit ihren beschriebenen „Win-Win-Win-Effekten“ – für PropTechs, Unternehmen und Kund:innen – kann der Außenbordmotor sein, mit dem das Schiff erfolgreich durch die Stürme des Baugeschäfts steuert.

Ein Blick in die Zukunft des Ingenieur- und Architekturbüros

Wie kann vor diesem Hintergrund die Zukunft des Ingenieur- und Architekturbüros aussehen? Die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI) in Kombination mit bereits jetzt gigantischen Datenmengen werden die Arbeitsweise des Menschen verändern. Kreativität wird wichtiger, Prozesse und Standardisierbares übernimmt die KI.

Wenn wir zum Beispiel einen Blick auf das Building Information Modeling (BIM) werfen, ergeben sich spannende Zukunftsszenarien: Aus bislang individuell generierten Modellen können modulare Baukastensysteme für Bauprojekte entstehen. Bereits jetzt erstellen Firmen eigene Kataloge und nutzen die Daten von Herstellern. Der logische Schritt nach dem reinen Datensammeln ist das praktische Nutzen mit Hilfe künstlicher Intelligenz.

Es gibt bereits PropTechs, die mit KI-Lösungen erste Designentwürfe für Neubauten erstellen. Das Fachpersonal der Zukunft kann sich verstärkt mit der Modifikation von KI generierten Entwürfen beschäftigen und muss nicht mehr die immer gleichen Routineaufgaben durchführen.

Das Fazit aus den Fallbeispielen des Ahrtal-Hochwassers und der beeindruckenden Entwicklung der PropTechs: Bisher von Menschen erbrachte Leistungen werden in Zukunft von Software mit künstlicher Intelligenz mitgetragen. Ein Prozess, der schon längst begonnen hat. Immer mehr Ingenieur- und Architekturbüros suchen nach Programmierer:innen oder Partnerschaften in diesem Bereich. Dieser Trend wird sich auf die Inhalte der Studiengänge von Architektur und Bauingenieurwesen auswirken. Hier gilt es, so schnell wie möglich jedem Studierenden das Erlernen von Programmierkenntnisse attraktiv anzubieten und zu ermöglichen.

Julius Berger International hilft mit digitalen Lösungen von PropTechs, die katastrophalen Folgen nach dem Ahrtal-Hochwasser 2021 erfolgreich zu bewältigen: Kommunen können die knappen Ressourcen vor Ort optimal nutzen und kurzfristig die Rahmenbedingungen für Förderungen erfolgreich einhalten.

Über
Felix
Kamprath

MBA M.Eng Felix Maximilian Karl Kamprath
Projektmanager Digitale Transformation

Felix Kamprath ist verantwortlich für die digitale Transformation von Julius Berger International. Mit seinem Team sondiert er den Con- und PropTech Markt, platziert Lösungen in Projekten und entwickelt sie bei Bedarf selbst.

Über
Julius Berger

Julius Berger International ist als GeneralplanerPlus der Partner für jede Herausforderung – ob bei der übergreifenden Gesamtplanung internationaler Großbaustellen oder für ausgewählte Teilleistungen bei Projekten in Deutschland.

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